deutsche perspektiven
seit über 100 jahren.


Copyright by symlynX.


Reproduction of up to 777 bytes is authorized, provided the source is acknowledged, save where otherwise stated.

About us / Impressum


Follow us on Facebook or Twitter for new stories.

german.pages.de

Italienische Reise



Tweet this
Digg this
Flattr this
Stumble upon this
Make this delicious
Share this on Facebook



—— von John W. Goethe

(aus dem Amerikanischen von Anneliese Schulze)

John W. Goethe ist geboren in Pago-Pago auf Amerikanisch-Samoa als einer der mysteriösen pazifischen Nachkommen von Goethes Sohn August. John W. liebt es, am Grab seines Ahnherrn auf dem Römer Ausländerfriedhof an der Cestius-Pyramide zu meditieren.




Kapitel 5: Rom

Die Götter des Sommers spielen Volleyball am Strand von Torvaianica. Athletische Körper, dunkelbraun in der Augustsonne. Klack, klack fliegt der Ball űber das Rauschen der Wellen, űber die Rufe nigerianischer Pareo-Verkäufer und das gelegentliche Heulen eines Jets, der von dem nahen Militärflugplatz startet und den Strand ostentativ niedrig űberfliegt.

Zwei junge Chinesinnen massieren einen Mann: er nackt, sie zűchtig gekleidet mit Hűtchen und Rucksack. Keine zarte Umgangsweise: kräftige Hände greifen zu, Schläge klatschen. Aus Schanghai seien sie, und die Massage kostet zehn Euro, buono buono, massaggio.

Eine Equipe von Afrikanern spielt Fussball, zwei in den Sand gestecke Sandalen markieren das Tor. Junge Römerinnen feuern sie an: man kennt sich, man mag sich.

Römisches Leben, fröhlich, fremdenfreundlich. Jeder ist willkommen, wenn er nur nett und möglichst auch originell ist.

Wieviele Jahre kennen wir uns, fragt mich der Friseur. Ich denke nach: Mitte der achtziger bin ich in dieses Viertel gezogen, also zwanzig Jahre. Die Zeit fliegt, meint er korrekt. Nass oder trocken?

Die Ewige, immer gleich und doch in rapidem Wandel.

Schon Kurt von Schlözer pries die Schönheit der Römerinnen in seinen Briefen aus den Endjahren der päpstlichen Herrschaft. Der Papst lebt immer noch, lautet ein Refrain seiner Briefe. Der Papst lebt immer noch, sagt mein alter Freund heute. Damals war es Pio Nono, heute ist es Giovanni Paolo Secondo. Und die Römerinnen am Strand von Torvaianica sind so schön wie immer, trotz enormer Zuwanderung. Damals hatte Rom kaum mehr als hunderttausend Einwohner, heute sind es űber drei Millionen. Damit ist Rom doppelt so gross wie Italiens zweitgrösste Stadt, Mailand. Im 18. Jahrhundert war es nur halb so gross wie die Metropole der Lombardei.

Kurt von Schlözer war stellvertretender Gesandter des Königs von Preussen am päpstlichen Hof. Er residierte im Palazzo Caffarelli neben dem Kapitol, der damaligen preussischen Gesandschaft. Heute gehört der Palazzo zu den Kapitolinischen Museen. Ich melde mich beim Pförtner, gebe ihm meine Karte und sage mit gewollt deutschem Akzent: Ich komme aus Berlin, von der Regierung, um den Palazzo zurűckzunehmen. Der Pförtner stutzt und lacht. Er deutet mir den Weg zur Dachterrasse, von deren Café aus man einen atemberaubenden Blick űber Rom hat. Wenn man das Viktorianum ignoriert, hat sich seit Schlözers Tagen nichts verändert.Roma aeterna.

Roma ladrona, sagen die von der Lega Nord. Rom, die grosse
Diebin, die die Steuern der fleissigen Nordlichter verprasst in einem Sumpf von Korruption, schlechtem Essen und gelbem Wein aus den Castelli. Alles Tagediebe, diese Römer.

Das sind sie nun, aller nördlichen Mythologie zum Trotz, keineswegs. Im Gegenteil. Die Römer sind mit 65 Prozent Diplomabschluss gebildeter als die Italiener insgesamt (53%), und 18 Prozent besitzen einen Hochschulabschluss (Italien 12%). Roms Produktivität ist höher als der italienische Durchschnitt. Rom fűhrt im Dienstleistungs-Sektor mit 9 Prozent der Wertschöpfung Italiens und ist zudem die drittgrösste Industriestadt nach Turin und Mailand. Sein Pro-Kopf-Einkommen rangiert im obersten Bereich Italiens.

Dank der starken Zuwanderung wird Roms Gewicht innerhalb Italiens immer grösser, zur Unfreude der Nordmänner.

Roma sparita, das versunkene Rom, protokollierte zeitlebens der grosse Aquarellist Pierluigi Rösler Franz, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts verzweifelt gegen den Zahn der Zeit anmalte. Ihm und seinen Kűnstlerkollegen verdanken wir eine Dokumentation des päpstlichen Roms bevor eine furiose Modernisierung Rom űberrollte. Rösler Franz malte noch den Flusshafen der Ripetta im Herzen Roms. bevor die Uferstrasse Lungotevere darűber gepflastert wurde. Er malte und malte, als ganze Strassenzeilen am Fluss den Hochwassermauern weichen mussten, als mittelalterliche Viertel den Archäologen des Forums geopfert wurden; als Platz geschaffen wurde fűr den monströsen Altar der Nation, das Viktorianum.

Doch selbst als Viktor Emanuels Zeitgenossen die essentiell spätmittelalterliche Ewige Stadt in eine moderne Kapitale umformten und als riesige Parks der Papstdynastien der Immobilienspekulation geopfert wurden, blieb Rom prinzipiell ein Ort, in dem verbraucht, nicht produziert wurde.

Viktor Emanuel wollte keine Industrien in seiner Residenzstadt. Er wollte kein potentiell aufműpfiges Proletariat. Damit erwies er sich als Ökologe: noch in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war von den Dachgärten Roms aus nur ein einziger Schornstein zu sehen, und die Luft war bemerkenswert sauber.

Als die Industrien kamen, siedelten sie sich am äusseren Ring und in Trabantenstädten an, vor allem in Pomezia und Aprilia. Wie in anderen, spät industrialisierten Grosstädten, erhielt Rom vor allem moderne, schadstoffarme und zukunftsorientierte Industrien, die besser ausgebildete Mitarbeiter benötigen und sie auch besser entlohnen.

Während im Jahrestakt neue Viertel an der Peripherie entstehen, hat das päpstliche Rom Besitzer gewechselt. Wo einst schwarzgewandete Priester unter dem popolino, dem Römer Völkchen, wandelten, herrschen nun umumschränkt die Touristen. Busladungsweise dem Fähnchen folgend, nabelfrei und Sandalen tragend, stehen sie Schlange an Museen und tausenden Pizzerien, die Roms alte Trattorien und Bars verdrängt haben.

An der Piazza der Fico. im Römer Dialekt geschrieben, zwei Schritte entfernt von der Piazza Navona, herrscht nachmittägliche Ruhe. An drei Tischen im Schatten des alten Feigenbaums vor der Bar wird Schach gespielt, eine Frau säugt ihr Baby. Nichts verrät mehr die Tragödie, die sich in dem Palazzo vor wenigen Jahren abspielte, als renoviert wurde.

Die Maurer entfernten im obersten Stockwerk des Renaissance-Hauses die Zwischenwände und stapelten die Ziegel zur Wiederverwendung säuberlich abgeklopft in der Mitte des Raums auf. Irgendwann gab der Boden unter dem Gewicht der Steine nach, die Decken darunter auch, und die drei Maurer stűrzten zusammen mit den Ziegeln drei Stockwerke hinab in den Tod. Grosse Trauer herrschte im Viertel nicht nur wegen des Unglűcks, sondern auch wegen der Dummheit der Maurer.

La Roma papalina war zur Zeit des Besuchs meines Ahnherrn August eine Stadt ganz eigener Art. Zwei soziale Schichten lebten fast ohne Berűhrung nebeneinander: einerseits der päpstliche Adel, die Priester, Kűnstler und Diplomaten, und andererseits der popolino. Die feinen Herrschaften bewegten sich in ihren Kutschen — Vorhänge zugezogen und das parfűmierte Schnupftuch vor der Nase gegen den Gestank der Gassen — von Palast zu Palast und Kirche zu Kirche. Der popolino hingegen lebte meist in den engen Gassen, denn in den Häusern zwischen den Palästen war wenig Platz und meist noch weniger Licht.

Die Römer waren prinzipiell ein Volk von Dienstboten, Handwerkern und Kneipenwirten, arm und ungebildet, denn der Klerus erkannte einen nűtzlichen Zusammenhang zwischen Armut und Frömmigkeit. Das Römer Essen konzentrierte sich auf Wiesenkräuter, Tiereingeweide und Fisch, weil dies am billigsten war. Kutteln vom Kalb, Schweinsfűsse und Därme neugeborener Lämmer waren lokale Spezialitäten, wie auch die misticanza, der Salat wilder Kräuter.

Das Leben in Rom war nicht nur fűr den popolino kurz. Die grassierende Malaria und die die öfters aus Neapel eingeschleppte Cholera verschonten auch die Palastbewohner und Klosterinsassen nur teilweise. Die regelmässigen Űberschwemmungen des launischen Tibers fluteten die unteren Stockwerke, liessen die Ratten aber űberleben.

In diesem Rom höchster kűnstlerischer und religiöser Genűsse, gepaart mit Elend und Zurűckgebliebenheit lebte meine Ahnherr August 1830 seine letzten Wochen, die er so resűmierte: "Mein höchster Wunsch ist erfüllt! Ich habe Italien gesehen und genossen, bin reich an Kenntnissen von Kunst, Leben, Treiben und Natur geworden ..."

Nach den Verheerungen, die die savoyische Monarchie und Mussolini in Rom anrichteten, brachte erst die Epoche Fellinis einen neuen kulturellen Höhepunkt. Während das Diebsgesindel von Trastevere als Komparserie in Cinecitta eine neue Identität fand, blieb die Römer borghesia, die Bougeoisie, seltsam ungerűhrt von dem Treiben der dolce vita.

Die Römer waren ein Volk von Beamten, Anwälten und Händlern geworden. Pűnktlich am 1. November — egal wie das Wetter war — erschienen ihre Damen in den Cafes von Doney auf der via Veneto und Alemagna am Corso in ihren Pelzen, infernalische Naphtalindűfte verbreitend. Levantinische Lebensweise wie nicht anders in Alexandria oder Beirut. Rom war zutiefst provinziell, während beispielsweise das kleinere Palermo durchaus international anmutete, dank der weltweiten Verbindungen der Mafia. ( weitere Uebersetzung in Arbeit
Bis zum Erscheinen der Fortsetzung empfiehlt sich zur Ansicht der Film "Gente di Roma" von Ettore Scola (2004)
)

Bibliografie:

Brenneisen, Wolfgang: "Nummer eins: John W. Goethe : eine literarische Sportschau" - In: Stuttgarter Zeitung, 23.2.1991

"Goethe and Modern Psychiatry" by John W. Goethe — Mignon: >Goethe's Study of Affectional Frustration in Childhood" by Mary Gies Hatch

EL PRIMER VUELO DEL VAMPIRO Autor: POLIDORI JOHN W GOETHE, STOKER BRAM, TOL Editorial: FACTORIA EDICIONES 01460 Mexico

Reißer: Die Faust von John W. Goethe. Allerdings lullt das ungemein gemein ein. Ich verlier' stets die Textkraft, weil die Stimmen so schön sind. (Hörbuchkritik)

Siehe auch: The John W. Goethe Society, Pago Pago, American Samoa (auszusprechen: Pango Pango) Neuseeländische Quellen nennen Vater Goethe, nicht Sohn August, als Ahnherrn der Goethe-Nachkommen (während die Linie in Deutschland bekanntlich ausgestorben ist).

Dazu ein Kommentar aus dem Internet: "Johann Wolfgang von Goethe hat offenbar seine Nachkommen nicht in Deutschland, sondern in Neuseeland hinterlassen. Dazu gibt es einen Artikel der SZ, Feuilleton-Beilage, 21.-22. Sept. 1991, Nr. 219, mit dem Titel: "Auf der Suche nach Goethes Whakapapa (Anm.: Stammbaumüberlieferung der Maori) - Hat er Nachfahren unter den Maori in Neuseeland? - Der Artikel stammt von Tom Appleton, Journalist aus Neuseeland.

Der Tag einer mutmaßlichen Zeugung Goethes kann nur der 26. September 1779 gewesen sein, das verheimlichte Kind seiner inzwischen verheirateten Lili mit ihm... wurde 1780 geboren und hieß Antonio von Goethes."

Selbiger Antonio von Goethes war ein preussischer Kavallerie-Offizier. Sein Sohn Johann Maximilian Goethe wanderte 1849 nach Neuseeland aus, anglisierte seinen Namen in John Francis Gotty und betrieb ein Restaurant, unterstrich aber stets seine adlige Herkunft. Er heiratete Puhiwahine, Neuseelands bekannteste und angeblich sehr ansehnliche Maori-Dichterin, mit der er mehrere Kinder hatte.

Nach allgemeiner Ansicht sind Goethe-Nachkommen von Neuseeland nach Samoa ausgewandert als das ehemals deutsche West-Samoa nach dem I. Weltkrieg ein neuseeländisches Protektorat war.